29.
Jun.
2018

Kollektive Intelligenz und Schwarmdummheit

Wenns wo happert, sucht man nach Rezepten. So ist es auch bei der Entwicklung von Neuem. Da tut sich ein Problem auf, da zwickt was, da läuft was unrund und schnell wird der Ruf nach einem smarten Lösungsansatz laut. Es braucht Modelle und Tools. Design Thinking eignet sich da momentan besonders gut. Agiles ist auch hoch im Trend. Das Arbeiten im Kreis auch. Schnell heterogene Teams zusammen gestellt, Kunden in einer Speedbefragung integriert, einen Legobausatz als Modell verbaut, eine agile Schleife gezogen und fertig ist die ganze Sache. Locker, lässig und in wenigen Tagen das gelöst, was seit Jahrzehnten nicht angegangen wurde.

Oft ist das natürlich schon viel besser, als die Krawatten-Sitzungen, in denen sich Heads of Irgendwas hunderte von Firmendesign-Powerpointfolien um die Ohren knallen. Oft ist es auch zu wenig. Es kommt die Ernüchterung und damit verbunden die vermeintliche Bestätigung, dass das alles ja eh nicht neu sondern den alten Managementrecken altbekannt ist. Das Methodische meint man, die Tools. Dann kommen die Fragen und schnell findet man wieder etwas, das Schuld ist. Die Methoden diesmal, die doch mit so viel Versprechen und dem Silicon Valley-Spirit ins Rennen um die nächsten Entwicklungsschritte gegangen sind. Damit ist dann wieder Ruhe. Meetings wie gewohnt.

It´s all about people.

Ruhe ist immer gut. Da kommt man zum Denken und das ist wichtig. Ohne den Kopf geht nichts. Irgendwie logisch. Methoden und Tools haben bisher nur selten die Welt verändert. Sie haben sie marketingtechnisch bereichtert, haben Managementliteraturregale befüllt und helfen den einen oder anderen Knoten zu lösen.
Es geht also um das Denken. Und genau das vergessen viele, wenn sie sich auf die Suche nach neuen Lösungen machen. Neues entsteht in den Köpfen. Es entsteht, weil wir unzufrieden und neugierig sind. Es entsteht in den Pausen, im Unterbewussten, im Lateralen, in der Assoziation, im Spiel mit den kreativen Herausforderungen. Der Mensch mit seinem einzigartigen Denk- und Zukunftsvermögen schafft Neues. Sonst nix. Damit wird es richtig herausfordernd, denn das Denken funktionieren anders als Methoden.

Eins und eins ist zwei.

Es braucht also kreative Köpfe, es braucht die Dichter und Denker. Es braucht keine Nachdenker und Nacharbeiter mehr, sondern leidenschaftliche und begeisterten Vordenker. Vorarbeiter. Mit viel Glück haben diese die letzten Jahre in den Organisationen irgendwo überstanden. Wenns blöd hergeht, wurden sie gegen glattgebürstete Management-Absolventen ausgetauscht. Diese sitzen dann in Meetings und zählen Zahlen zusammen. Im besten Fall sind sie richtig gut. Die Zahlen stimmen. Eins und eins ist zwei. Doch das reicht nicht ganz für eine Wissensgesellschaft.

Eins und eins ist grün.

Was wir heute oft brauchen sind Sprünge, was wir brauchen sind Musterwechsel in der Lösung. Social Innovation. Wir brauchen Musterwechsel in unseren Köpfen und Ideen. Es reicht nicht mehr, schnellere oder effizientere Autos zu bauen, wir müssen grundlegende Mechanismen und Gewohnheiten der Mobilität überdenken. Es reicht nicht mehr, Digitalisierungs-Workshops in den Unternehmen zu machen, wir müssen die wirklichen Aufgaben und Jobs unserer Kunden verstehen.
Das ist alles nicht einfach. Klar. Das erfordert genaues Analysieren und Denken. Das erfordert Forschergeist, Offenheit, Querverbindungen und Neugierde. All das braucht aber auch geniale Einzeldenker und kreative Teams, die in der Lage sind, Muster zu erkennen und zu neuen Lösungen zu kombinieren. Zahlen zusammen zählen ist hier zu wenig. Zahlen brauchen Farbe. Sonst wird das nix.

Co-Kreative Entwicklungsrahmen

Und genau an diesen beiden Punkten können wir in den Unternehmen und Teams ansetzen: Was brauchen innovative Einzelpersonen, um ihre Kreativität im Unternehmenskontext entfalten zu können? Was brauchen Teams, um ihre Potentiale wirklich zu sehen und nutzen zu können? Das MIT Center for Collective Intelligence hat mit dem Handbook of Collective Intelligence interessante Studien zu diesem Themenfeld zusammen gefasst. Setzt man sich mit diesen Fragen im Unternehmen auseinander, dann wirds wirklich interessant. Dann gehts an die Kultur, ans Denken. Dann machen plötzlich Methoden und Mindsets wie Design Thinking Sinn. Dann wirken sie, frei nach Steve Jobs, wie Fahrräder für den Geist.

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