4.
Apr.
2020

Alte Meister und das Leben in der Risikogesellschaft

In diesen Zeiten fehlt Gewohntes. Ich merke, wie ich ein wenig aus der Balance gerate. Jetzt ist es noch ein leichtes Wanken, kein Torkeln. Den Blick nach vorne richten. Dann balanciert sich der Körper schon gut aus.

Es geht wahrscheinlich nicht nur mir so. Diese neuen Alltagsroutinen sind ganz schön ungewohnt. Weniger Anrufe, weniger Mails, weniger Gebrauchtwerden, viele Freiheiten. Ich genieße das irgendwie. Ausschlafen, raus in die Natur, viel recherchieren und lesen. Ein wenig experimentieren, Neues planen, Webinare halten und in meinen geliebten Themen untergehen.

Das ist super, wäre da nicht auch diese andere Seite. Die vielen komplexen Themen, viele Fragen nach den Ursachen und Hintergründen, die Unsicherheiten: Was ist zu tun, was ist zu lassen? Was ist richtig, was ist falsch? Wem kann man vertrauen, wem nicht? Wer hat welche Interessen, wer steht drüber? Was ist Sache, was ist Emotion?

Es fehlt nicht nur Gewohntes, es fehlen auch die einfachen Antworten, die Patentrezepte. Die Besserwisser wüssten viel. Irgendwie blöd. Und das passiert plötzlich alles in einer Welt, in der wir es uns einigermaßen gemütlich eingerichtet haben. Quartalspläne, Jahresziele. Darf das überhaupt sein?

Alte Meister im Buchregal

Wenn es mich verwirrt, dann kenne ich eine gute Strategie. Ich krame in meinem Buchregal nach den alten Meistern und suche nach Orientierungspunkten. Ein solcher alter Meister ist für mich Ulrich Beck. Er war einer der ersten lebenden Soziologen, die mich in meiner Studienzeit gefesselt haben. Sein scharfer Verstand, seine Sprache, sein Plädoyer für ein offenes Denken und nicht zuletzt seine lachenden Augen haben mich fasziniert.
Ich mag seine Bücher sehr. Jetzt habe ich sie wieder aus dem Regal geholt. Es ist irre spannend, seine Thesen mit den aktuellen Entwicklungen zu vergleichen.

Überleben in der Risikogesellschaft

Den Begriff der Risikogesellschaft prägte Beck bereits 1986 mit seinem gleichnamigen Buch. Wechseln wir nicht nur die Zeit, sondern auch das Medium: In einem wunderbare Gespräch mit Markus Spillmann und Marco Färber (2009) skizziert Beck die sensiblen Risikopunkte einer modernen Gesellschaft. Vieles davon können wir momentan beobachten. Einiges davon sollte uns zum Nachdenken anregen.

Zwei Lesetipps

Ulrich Beck braucht keinen Schluss. Nur so viel: Zwei Bücher liegen aktuell auf meinem Tisch: Ulrich Beck: Die Metamorphose der Welt und Heinz Bude: Gesellschaft der Angst. Macht das Beste aus der aktuellen Zeit. Genau das ist alternativlos!

Wie geht es euch?

Kommentar schreiben