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Musterwechsel

Artikel vom 14. Juni 2017

Es wird mal Zeit für ein Update, eine 25h-Standortbestimmung. Genau, es waren doch eh so viele verlängerte Wochenenden, so viel Sommer-Feeling. Da muss ja Zeit bleiben für einen durchdacht reflektierten Blogartikel. Ganz so wars nicht. Es waren arbeitsintensive Zeiten und mein 25h-Plan kam zeitweise ganz schön ins Wackeln. Er schaut aber irgendwie lustig aus, wenn er so wackelt.

Seit meinem letzten Blogpost zu meiner 25h-Woche sind ein paar Wochen ins Land gezogen. Wochen, in denen ich viel über mich und das Thema Arbeit gelernt habe. Ich war überrascht, welche liebevollen Kreise mein Vorhaben zog. Anrufe wie “Peter, hast du kurz Zeit oder sind deine 25h schon aus?” haben mich zum Lachen gebracht. Mir haben alle eure Rückmeldungen echt gefallen, weil sie mir so klar vor Augen geführt haben, dass mein Unterfangen nicht so einfach ist und ich alle eure Skepsis nicht nur teile sondern auch erlebe. Klar!

Trotzdem bin ich bisher dran geblieben und verfolge meinen Plan, die Arbeitszeit auf 25h zu reduzieren weiter. Ich arbeite immer noch viel, aber immerhin schon ein wenig weniger. Hier vier ganz persönliche Strategien und Learnings. Bitte nicht nachmachen, ich hab keine Ahnung ob die funktionieren.

Arbeit aufzeichnen

Ich hab begonnen meine Arbeit aufzuschreiben. Das reicht in meinem Falle eigentlich einen Monat lang. Es war ernüchternd zu sehen, wie viele Wegzeiten sich anhäufen, wie viele Stunden ich auf Österreichs Autobahnen verbringe und wie viele Dinge passieren, weil ich sie eben mache oder weil mein Perfektionismus-Teuferl mir sagt, dass sie noch besser gemacht gehören. Streichen, delegieren oder einfacher machen. Diese drei Strategien befreien mich langsam von Arbeit, die Förster und Kreuz als miese Arbeit bezeichnen. Ich hab gelernt, dass das nicht von heute auf morgen passieren muss sondern dass es um die Umstellung des Mindsets geht. Muss ich das wirklich tun oder steht die Welt ohne dem auch noch?
Ich hab auch bemerkt, dass es hier neue Dienstleistungsangebote braucht, die Unternehmen wie meinem die Arbeit erleichtern. Wir brauchen einfach ein paar bezaubernde Jeannies (Danke Sabine!). Das ist es! 

Industriedenken überwinden

Ich dachte, da wär ich schon drüber. Geirrt. Die Industrie sitzt mir als mächtiges mentales Modell noch tief in den Genen: Strukturierung des Arbeitstages, Kalkulation der Leistungen auf Stundenbasis, Produktdenken und vieles mehr. Coworking oder mein vielgeliebtes mobiles Arbeiten vom Grundlsee sind nur oberflächliches Blendwerk. Mir wird langsam klar, dass die kreative Wissensgesellschaft viel radikalere Brüche braucht, als es die Arbeit mit Internetanschluss vom See aus ist. Wir brauchen ein neues Mindset, einen Musterwechsel, eine radikal neue Bewertung von Leistung, ein Verständnis für das Wesen von Wissensarbeit und Kreativität. Da bleib ich dran. Das ist ein wahnsinnig spannendes Thema, das mich auf wunderbare Literatur bringt, auf Alex Soojung-Kim Pangs “Pause” zum Beispiel. 

Sinn filtern

Ich hab bemerkt, dass sich etwas verändert hat. Neue Aufträge und Arbeit müssen neuerdings durch einen Filter durch. Der ist noch ein wenig brüchig, nicht immer aktiviert aber ich spür ihn schön langsam. Das ist ein richtiger Musterwechsel-Filter: Stiftet der Auftrag wirklich Wert? Stiftet er wirklich Sinn?
Ich merke, wie diese beiden Fragen immer wichtiger werden. Ich merke auch, dass ich diese Fragen selten  mit ja oder nein beantworten kann. Ich hab aber das Gefühl, dass in ihnen ein wichtiger Schlüssel zur Reduktion der Arbeitszeit und zur Zufriedenheit steckt. Das ist zumindest seit Frankl ja auch nichts ganz Neues. Doch Wissen und Tun sind dann halt doch wieder zwei unterschiedliche Dinge. 

Perfektion lieben

Ich mach es wirklich gern. Ich mag es, mich in Themen zu vertiefen und dort zu versinken und an jenen für andere unsichtbaren Stellschrauben zu drehen, bis die Sache für mich rund ist. Das kann die Formulierung eines Textes sein oder die Fotoqualität einer Protokolls oder die gefühlte Trivialität einer Lösung. Ich weiß, ich nerve da viele. Passiert das aber nicht, bin ich unrund. Das war schon immer so. Jetzt weiß ich, dass das nicht immer so gescheit ist und mir viel Zeit kostet. Ich weiß aber auch, dass ich ohne diesen Anspruch nur halb so zufrieden bin. Ich weiß, dass meine Energien gerade aus diesem nur für mich sichtbaren kleinen Unterschied kommen. Wie also aus diesem Zirkel aussteigen? Ganz ehrlich, ich hab da noch keine Lösung. Ich schreib jetzt einfach diese Perfektionsstunden nur halb in meine Arbeitsaufzeichnungen. Selbstbetrug ist ja nichts Schlechtes, betrügt ja sonst niemanden.

Das sind ein paar meiner Strategien, die ich seit den letzten Monaten verstärkt ausprobiere und beobachte. Sie sind für mich Musterwechsel, Veränderungen der bisherigen eingeübten und bewährten Denkmuster. Für mich war wichtig zu begreifen, dass diese Musterwechsel Zeit brauchen. Dass hier nix von heute auf morgen geht. Dann wärs ja kein Musterwechsel.

Und ja ich weiß, ich sollte endlich wieder mehr Sport machen! Dafür ist ja jetzt viel Zeit.

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  1. Hallo Peter,
    Ich lese ja immer gerne deine Beiträge, muss da oft auch schmunzeln bzw. sind und waren sie schon oft Inspirationsquelle!
    Zum Musterwechsel ist mir was eingefallen. (weil ich mein Mindset auch geändert hab, aber ich denke, der Feinschliff fehlt noch – oder doch nicht… Und mein Perfektionismus meldet sich…?)
    Anfangs merkt man zwar, dass da gewaltig was schief läuft, kann es aber schwer lokalisieren. Am besten funktioniert der Musterwechsel, wenn man beginnt ehrlich zu sich selbst zu sein. Also mit Selbstbetrug und schummeln, kann man nicht erkennen was es wirklich braucht und wird wahrscheinlich noch ein bisschen länger feststecken… (ich spreche aus Erfahrung)
    Ehrlichkeit kann auch schmerzhaft sein, aber dann wirkts!

    Viel Freude noch beim Umprogrammieren!

    Kommentar by Astrid on 14. Juni 2017 at 22:58