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Projektmanagement und intuitives Agieren

Artikel vom 24. Januar 2010

Intuition ist in Zeiten zunehmender Unplanbarkeit zu einem Modebegriff geworden. Wenn nichts mehr vorhersehbar und planbar ist, wenn die Komplexität überhand nimmt, dann kommt die Intuition schnell wieder ins Spiel. Alles wird dann “intuitiv gemacht” und Business Ratgeber legen uns nahe, dass wir mutig sein sollen und auf unsere Intuition vertrauen sollten. Kurzum, Intuition scheint ein Thema zu sein.

Vor allem im Projektmanagement lohnt es sich, ein wenig darüber nachzudenken, welchen Stellenwert Intuition hat und welchen Platz es dafür in Projekten überhaupt gibt. Auf den ersten Blick verliert sich die Intuition im Projektmanagement dann recht schnell in komplexen Zielformulierungen, übervollen kopflastigen Analyse-Charts und langen Balkendiagrammen. Auf dem zweiten Blick wird allerdings auch ebenso schnell deutlich, dass kaum ein Projekt ohne Intuition gelingen würde. Denn, wie werden Entscheidungen wirklich getroffen? Wie passiert schnelles Agieren auf geänderte Rahmenbedingungen? Meist aus dem Bauch heraus, mehr oder weniger bewusst geleitet durch unsere Intuition, oder?

Reflexionsfragen für Projektteams

Wir tun viel mehr Intuitives, als uns bewusst und wahrscheinlich lieb ist. Deshalb lohnt es sich aus meiner Sicht, einmal vertiefend über ein paar Intuitions-Fragen nachzudenken und im Projektteam gemeinsam auf Spurensuche zu gehen. Das ist der Grundstein für den Aufbau einer gemeinsamen Kultur der Intuition:
(.) Welche intuitiven Entscheidungen treffen wir täglich im Projekt?
(.) Wie treffen wir unsere Entscheidungen wirklich?
(.) In welchen Situationen hilft die Intuition weiter?
(.) Wo gab es gute und wo schlechte Erfahrungen mit intuitivem Vorgehensweisen?
(.) Wo und wann handeln wir eher intuitiv und ungeplant?
(.) Können wir auf unsere Intuition vertrauen?
(.) Wo haben wir durch Intuition Erfolge eingefahren?
(.) Wo hat uns die Intuition in die Irre geleitet?
(.) Gibt es ein gemeinsames Verständnis von Intuition / eine gemeinsame Kultur? 

Lange Zeit waren diese Fragen nichts fürs wirkliche und richtige Projektmanagement, sie waren zu weich für klassische Strukturen und Prozesse. Dominierend war eher die klare Planbarkeit und die auf konkrete und nachvollziehbare Fakten und entsprechende Tools basierende Handlung. Das war die Zeit der Entscheidungs-Tools. Diese Zeit scheint in der Projektpraxis schon längere Zeit vorbei zu sein. Komplexität, Unplanbarkeit und agiles Arbeiten prägen zunehmend die Projektwelt. Mit agilen Projektmanagement kommt langsam auch ein neues Denken und eine neue Kultur in den einst stark formalisierten und toollastigen klassischen Projektmanagement-Bereich. Damit werden auch weichere Faktoren wie die Intuition zu einem Thema.

Vertiefende Tipps

Andreas Zeuch: Podcastreihe Abenteuer Intuition

Peter Kruse: Komplexität und Intuition

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